Famose One Woman Folk Show: Dana Anastasia

Bandcamp sei mal wieder Dank! Wie gut, dass es diese großartige Musikplattform gibt, ohne die mir so viele wundervolle Musiktalente verborgent bleiben würden. Dana Anastasia ist es heute, die mein Herz im Sturm erobert hat mit filigranen Folkweisen, die direkt sowohl ins Ohr als auch unter die Haut gehen.

Zum Weinen schön ist „cry if you need to“, das Debütalbum von Dana Anastasia, das sie im Alleingang geschrieben, gespielt, aufgenommen und abgemischt hat, selbst das Cover Artwork stammt von ihr selbst. Die Eine-Frau-Schau hat sich gelohnt, denn vom ersten bis zum letzten Ton stimmt alles auf dem Werk der aus Snoqualmie nahe Washington stammenden Multiinstrumentalistin.

Aus dem Songzyklus, der über einen Zeitraum von fünf Jahren entstanden ist, spricht ein hohes Maß an Sensibilität, Empathie und Reflexion, gegossen in poetische Zartheit, die mich auf Anhieb berührt hat. „cry if you need to“ klingt wie die weibliche Antwort auf Nick Drakes fragiles Meisterwerk „Five Leaves Left“. Auch hier herrscht ein Grundton der Traurigkeit vor, der aber nicht deprimierend wirkt, sondern hoffnungsvoll.

Dana Anastasia selbst beschreibt ihre Songs als „an incidental meditation on grief, heartbreak, and the roles we all play in the world we inhabit and the worlds we hope to build.“ Gewidmet sei ihr Album all jenen, die die schwere Aufgabe der Menschlichkeit übernehmen und vollbringen, auch und gerade, weil solch humanistische Haltung bedeute, große Ängste und große Verletzungen auszuhalten, Traumata sowohl zu begegnen als auch zu bewältigen.

Dana Anastasias Lieder atmen diesen philanthropischen Geist, transportieren die Stärke des aufrechten Gangs. „… to the mysterious forces of dream and beauty that keep us pushing forward and striving toward the light…“ Diese positive Denkweise teilt sie mit Lesley Kernochan, deren wunderbares Album „The Hummingbird Revolution“ aus dem letzten Jahr eine ähnliche Haltung transportierte.

Dana Anastasia hat offenbar armenische Wurzeln, denn ihre Widmung gilt auch ihren Vorfahren, von denen einige auf dem Coverfoto abgebildet sind. Die Aufnahme zeigt die Familienmitglieder unmittelbar vor der Flucht vor aus türkischen Heimat Marmara, um dem drohenden Genozid des armenischen Volkes seitens der osmanischen Herrscher zu entgehen. Bei der Frau rechts im Bild, die eine Bouzouki hält, handelt es sich laut Aussage der Songwriterin um ihre Urgroßmutter Anthoula Basil.

Dana Anastasias warmherziger klarer Gesang, der eine gewisse Verwandtschaft zu Josephine Foster aufweist (allerdings weniger manieriert) trägt die Songs, die sie zumeist auf der akustischen Gitarre begleitet, fast alleine. Bereits auf ihrer EP „Down In The Valley“ (2014) mit Haley Williamson hat die Musikerin ein erstes Zeugnis ihrer Songwriterqualitäten abgelegt.

Nach diesem famosen Debüt bin ich mir sicher, dass Dana Anastasia bald auch einem größeren Publikum bekannt sein wird. Zu wünschen wäre es ihr auf jeden Fall.

danaanastasia.bandcamp.com



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