Willkommen im Soundsog! „Myopia“ von Agnes Obel

Den Ritterschlag für ihr neues Album „Myopia“ erhielt die dänische Musikerin Agnes Obel quasi schon per Signing. Schließlich geschieht es nicht alle Tage, dass das altehrwürdige Klassiklabel Deutsche Grammophon einen Pop Artist unter Vertrag nimmt. Wohl antizipiert, möchte man meinen, denn dass „Myopia“ zum Klassiker avancieren könnte, lässt sich bereits bei den ersten Klängen erahnen.

Die in Berlin lebende Obel hat ein sicheres Gespür für Musik, die eine eigene Aura heraufbeschwört, die fremdartig und zugleich vertraut klingt. Waren die ersten drei Alben der Dänin bereits melodische Kleinode, gelingt ihr auf Album Nummer Vier nun die Vollendung einer ureigenen Klangatmosphäre, die etwas faszinierend Unwirkliches hat. Düster und geheimnisvoll, ungeheuer spannend entfaltet das Album in seiner Gesamtheit eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann.

Einzelne Songs herauszuheben macht wenig Sinn, da „Myopia“ den Hörer fordert, sich auf das vollständige Werk einzulassen und auf dessen dichte Klangbilder, die bewusstseinserweiternd tiefenwirksam sind. Obel versteht sich darauf, mit geringsten Mitteln maximalen Effekt zu erzielen. Das hat den Charakter von Filmmusik, zu der der man im eigenen Kopf Nachtwanderungen durch unerforschtes Gedankengelände unternehmen kann.

Wenn Schlafwandler sich einen idealen Soundtrack für ihre insomnischen Ausflüge wünschen könnten, „Myopia“ wäre garantiert die sonische Erfüllung. Zumal Songs wie „Broken Sleep“ schon fast richtungsweisend betitelt sind. Obel jedenfalls komponiert mit schlafwandlerischer Sicherheit Musik, in die sie anscheinend eine Meta-Ebene einprogrammiert hat, die im Einklang mit nordischer Mystik eine eigene Magie entwickelt.

Also, Kopfhörer aufsetzen und entführen lassen nach Soundtopia.

agnesobel.com

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