Spirituelles Songwriting: Bill Fays Gottvertrauen berührt

Bill Fays Karriere als Musiker ist eine jener Geschichten, die zur Legendenbildung taugen. Der 1943 in London geborene Fay begann als 18jähriger neben seinem Elektronik-Studium in Wales, Musik zu komponieren. 1965 bot Decca ihm einen Vertrag an und veröffentlichte in der Folge zwei Alben, die musikalisch vielversprechend waren, allerdings kommerzielle Misserfolge blieben. Danach geriet Bill Fay für über 20 Jahre in Vergessenheit und wurde erst 1998 wiederentdeckt, als die beiden Alben wiederveröffentlicht wurden. Mehr aber nicht.

Das große Songwriter-Talent Bill Fay verschwand abermals in der Versenkung, bis 2012 zu aller Überraschung mit dem wunderbaren „Life is People“ ein neues Album des Briten vom Indielabel Dead Oceans veröffentlicht wurde, 41 Jahre (!) nach seinem Debüt. Die Kritik feierte das unerwartete Comeback als kleine Sensation. Was es insbesondere wegen seiner durchweg großartigen, hoch sensiblen Lieder tatsächlich war.

Lieder wie „Never Ending Happening“, „The Healing Day“ oder „Thank You Lord“, die von Liebe, Demut und Gottvertrauen geprägt sind, zeugen von einer besonderen Spiritualität, die sich beim Zuhören wohltuend verbreitet und zum Innehalten verführt, über die wesentlichen Dinge des Lebens zu reflektieren. Eine stille Kraft, die vertiefend wirkt.

In Wilco-Mastermind Jeff Tweedy, der seit langem ein Bewunderer von Bill Fay ist, fand der Pianist und Sänger dann auch endlich einen prominenten Fürsprecher, der ihn mit auf Tour nahm und so einem breiteren Publikum bekannt machte. 2015 bereits folgte dann das nächste Album „Who Is The Sender?“, das sich wie im Titel schon angedeutet, wieder um die Große Frage nach Gott dreht. Ständig im Blick hat Fay dabei die Schönheit von Natur und Welt und stellt sie in den Kontext seiner Existenz- und Sinnfragen.

Auf dem neuen Album „Countless Branches“ knüpft Bill Fay an diese Themen an und verdichtet sie noch einmal mehr zu kleinen poetischen Oden von Dankbarkeit und Demut. Reduziert zumeist auf Piano und Gesang, mal mit akustischer Gitarre, etwas Celloklang, sprühen diese reifen Lieder vor Warmherzigkeit und Altersweisheit. Wehmütig klingt das, denn der 77jährige ist sich bewusst, dass er sich auf der Zielgeraden des Lebens befindet. Aber stets leuchtet in diesem sanften Dunkel der Melancholie das Licht der Hoffnung wie eine Kerze, deren Flamme tapfer jedem Sturm trotzt.

Kleine, schlichte, aber erhaben schöne Songs, die wie kurze Andachten im Alltag sind. Schöner kann man kaum beten als in der Kapelle von Bill Fay.

deadoceans.com/artists/bill-fay-2/

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