Elektrohiphoptrappop von Caribou erneut top

Es kommt äußerst selten vor, dass mich Elektro-Pop begeistert, aber vor zehn Jahren war es ein Songblitz namens „Odessa„, der mich förmlich elektrisierte ob seiner ungeheuren dynamischen Kraft und klangästhetischen Brillanz.

Die vielschichtige Djunglebeat Atmosphäre dieses Tracks ist bis heute umwerfend. Ein Meisterwerk des Genres, wie das gesamte Album „Swim“, das randvoll mit solchen klangdichten Perlen ist. Das Nachfolgealbum „Our Love“ knüpfte nahtlos an diesen großen Wurf an.

Nun zeigt Dan Snaith, der promovierte Mathematiker, mit „Suddenly“ zum dritten Mal in Folge, wer der aktuelle Meister des Clubsound-Genres ist. Er erweist sich erneut als cleverer Sounddesigner, der sowohl die Dancefloors der Welt als auch die Kopfhörerfraktion zu bedienen weiß.

Der Elektro-Pop von Dan Snaith bleibt auch auf dem mittlerweile siebten Album des Londoners frisch und originell, ausbalanciert experimentell ohne in verkopfte Avantgarde abzugleiten. Soundtüftler nennt man solche Musiker oft etwas abfällig als wären sie Käuze, im Falle von Snaith wäre der Begriff Soundarchitekt angebracht, um seine gestalterische Finesse zu würdigen.

Dan Snaith lässt sich offensichtlich Zeit, seine Soundideen in Ruhe zu entwickeln, denn zwischen „Swim“ und „Our Love“ lagen vier und zwischen letzterem bis zum aktuellen „Suddenly“ nun wiederum sechs Jahre. Diese Sorgfalt zahlt sich aus, weil Caribou sich nicht in Wiederholungen und Selbstreferenzen ergeht, sondern immer auf der Suche ist, seinen Soundkosmos zu erweitern und mit kleinen, feinen Überraschungen anzureichern. Was ihm mit unverhofftem Hiphop-Gesang hier, einem Gitarrensolo oder Saxophontupfern dort vortrefflich gelingt.

„Suddenly“ überzeugt mit einer ausgewogenen Mischung von Tracks, die mit ihren leicht verspulten oder verleierten Loops und Vibes höchst effektvoll sind und sich auch beim wiederholten Anhören im Ohr festsetzen und nicht langweilig werden. Stets lauert eine unerwartete Wendung oder Abbiegung mitten im Song, so hält der Fallensteller Dan Snaith die Spannung und die Aufmerksamkeit hoch hält.

Kurzum: Der intelligenteste Elektro-Pop weit und breit!

Anspieltipps: Sister, You And I, Sunny’s Time, Lime, Home, Like I Loved You,

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