Fragiler Gänsehaut-Folk: The Innocence Mission

Dass die Band von Karen und Don Paris sowie ihrem Bassisten Mike Bitts Unschuld namentlich zur Mission erklärt hat, wird auf ihrem Album „See You Tomorrow“ noch nachhaltiger spürbar als bisher. Ihre Musik fasst einen an, ist Schmerz und Trost zugleich. Vom ersten Ton an geht das jüngste Werk von The Innocence Mission unter die Haut mit Folk-Songs von äußerster Fragilität und Intimität.

Seit 30 Jahren bereits zelebriert das amerikanische Trio die hohe Kunst musikalischer Melancholie, geprägt durch aufs Wesentliche reduziertes Instrumentarium und Karens wunderbarer, manchmal geradezu verloren wirkender Stimme, die an der Schwelle zur Zerbrechlichkeit balanciert. Auf dem zwölften Album von Innocence Mission erfährt diese Tiefe und Eindringlichkeit ein Höchstmaß an Intimität. Magische Musik, die gleichzeitig so geerdet und flüchtig erscheint wie das schöne Covermotiv.

Man hat beim Zuhören den Eindruck, als sitze die Band direkt nebenan, um einen mit jedem Song Nähe spüren zu lassen. Und wahrlich transportiert diese ungeheure Fragilität der wehmütigen und trotzdem hell strahlenden Lieder und ihrer Darbietung eine unschuldige Reinheit, die Gänsehaut pur erzeugt.

Wer würde wie in „Movie“ nicht gerne seine Arme um Karens Schultern legen und gemeinsam mit ihr auf die Leinwand der großen Gefühle starren, gerührt von einer Musik, die jeden romanischen Film veredeln würde. Wer wollte nicht andächtig die Hände falten, wenn die frohe Botschaft der Innocence Mission Folk-Messe in „St. Francis And The Future“ erklingt.

Was für eine Zartheit überall. „At Lake Maureen“ ist eine musikalische Pusteblume, deren feine Härchen im Morgenlicht zerstäuben. Mit „This Boat“ lässt sich gedanklich über den zuvor besungenen See rudern, der still im Gehör ruht. Und dass auch Don Paris mit seinem Gesang ähnliche Seelentiefe erlangt wie seine Frau, beweist der von ihm geschriebene Song „Mary-Margaret In Mid-Air“, ein weiterer Hauch von Wohlklang.

„Stars Fall Away From Us“ zieht das große Sommerhimmelspanorama auf und taucht das poetisch gestimmte Gemüt mit Akkordeon in warme Melancholie. Komm, mein Herz, lass uns ins Gras legen und Sternschnuppen zählen und alles, was ich mir wünsche, bist du und du und du immerzu. Das finale „I Would Be There“ ist genau das Versprechen, was man sich dann von der Geliebten erhofft. Sei mir nah, physisch wie seelisch.

Aus all den wundervollen Songs (11 Tracks) ragt für mich das hauchzarte „On Your Side“ heraus, das sich zu fein gezupften Akkorden auf akustischer Gitarre und Bass, angereichert um feine Streicher und behutsam eingesetzte Melodica, als Balsam für die Seele erweist, selig machende Sensibilität.

Emotional gepackt hat mich The Innocence Mission mit jedem ihrer bisherigen Werke. Die elysische Schönheit von „See You Tomorrow“ jedoch macht mich vollends ergriffen. Das ist eines jener Alben, die ich immer wieder so lieben werden wie heute beim ersten unschuldigen Mal.

theinnocencemission.com

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