Sage Nein! Konstantin Weckers Antifa-Lieder

„Sage Nein!“ Ein schlichter Satz, der in diesen durch Faschistendenken und -handeln bedrohten Zeiten ungeheures Gewicht besitzt. Das Lied, das der inzwischen 72jährige Konstantin Wecker 1993 geschrieben hat, sollte längst Pflichtlektüre im Deutsch- und Geschichtsunterricht sein. Dass es 25 Jahre später so beklemmend aktuell ist wie nie, ist traurige Gewissheit angesichts der mittlerweile leider wieder salonfähig scheinenden Nazi-Ideologie jener besinnungslos Gesinnungstreuen, die hierzulande Hirne und Herze vergiften mit ihrer stinkenden braunen Brühe, die das Gegenteil ist von der nahrhaften humanistischen Milch, mit der ich groß geworden bin.

Nichts, aber auch gar nichts haben diese Unmenschen, die jetzt bereits wieder in Parlamenten ungestraft ihre zersetzende Wirkung entfalten dürfen, aus der Geschichte gelernt. Ihr blinder unbegründeter Hass, ihre skrupellose, schamlose Verachtung für alles Fremde mahnt mehr denn je, wachsam und wehrhaft zu sein, allen Mut zusammenzunehmen, um Freiheit und Demokratie gegen Ausgrenzung und Demagogie zu verteidigen. „Sage Nein“! wird darum zum Kernsatz für alle, die der Unterwanderung und Verseuchung unserer Gesellschaft von Rechts widerstehen und den rückgratlosen Gesellen des Unheils den aufrechten Gang, die Haltung des Menschenrechts entgegensetzen wollen, ja müssen.

Denn es ist unsere verdammte Verantwortung und Pflicht, aus den grausamen, menschenverachtenden Verbrechen der Nazis zu lernen und den Fratzen des Verderbens und Untergangs unsere freundlichen, gut meinenden, mitfühlenden Menschengesichter entgegenzusetzen, die das Leben liebevoll und dankbar bejahen und jedem das gleiche Recht auf Leben neidlos wünschen und gönnen.

Wenn es ein derzeit ein deutschsprachiges Album gibt, das all das politisch thematisiert, analysiert, attackiert, gleichzeitig aber auch zu ethischem Denken und Handeln motiviert und für Menschlichkeit, Toleranz, Zugewandtheit und Dialog plädiert, dann ist es Konstantin Weckers „Sage Nein! – Antifaschistische Lieder 1978 bis heute“ – ein musikalisches „Denk mal“, dessen mahnende lyrische Kraft die berühmten Zeilen aus Paul Celans Gedicht „Todesfuge“ heraufbeschwört, niemals wieder in Deutschland, in Europa, in der ganzen Welt „Schwarze Milch“ zuzulassen.

Man höre „Willy 2018“, die Anklage gegen das AfD-Gesindel, die Widerstands-Ermunterung „Empört Euch!“, das höchst reflektierte, Nationalismus und Patriotismus kritisch hinterfragende und diesbezüglich in Frage stellende „Vaterland“, das immer noch und immer wieder ergreifende, vorbildhafte „Die weiße Rose“ und das neue, umarmende Lied „Das Leben will lebendig sein“, das die einzig richtige Sinnfrage stellt und beantwortet, das Leben als Geschenk zu feiern gegen alle Angstmacher, Fremdenhasser, Menschenfeinde, gegen die Marschierer anzutanzen.

Anhören! Anderen vorspielen! Weiterempfehlen! Verschenken! Das hier ist der gedankliche und emotionale Nährboden, auf dem Gemeinschaft wachsen kann, der gesunde Menschen- und Herzensverstand, der kranken Faschismus und Rassismus ins Bodenlose fallen lässt.

Den Erlös der CD spendet Wecker übrigens der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.).

wecker.de

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