Kunstmenetekel im Vorübergehen

Die Quirinstraße 42 in Düsseldorf-Oberkassel ist seit Jahren für mich ein Quell überraschender Kunstfreude. Im Vorgarten des Miethauses steht ein Holzgestänge (einer bizarren Wäschespinne nicht unähnlich), das mehrmals im Jahr (vom wem wohl?) mit kleinen künstlerischen Skulpturen gestaltet wird.

Ich erfreue mich an diesen gelegentlichen Miniatur-Ausstellungen im öffentlichen Raum, wenn ich in meiner Mittagspause daran vorübergehe, und noch jedes Mal haben mich die originellen Gebilde zum kurzen Innehalten und mehrfach zum Fotografieren animiert.

Mal regen mich die Kunstwerke zum Schmunzeln, mal zum Nachdenken an. Nicht selten beobachte ich, dass ich offenbar einer der wenigen Passanten bin, die diesen kleinen kulturellen Geschenken am Wegrand die gebührende Aufmerksamkeit schenken. Die meisten Leute laufen achtlos an diesem Kleinod der Lebens- und Mitteilungsfreude vorbei.

Heute sah ich schon von weit, das der von mir „Gelegenheits-Galerie für den überraschungsbereiten Flaneur“ getaufte Ausstellungsort meinen Augen und meinem Geist mal wieder einen bunten Gruß schickte und mich zu einem Moment des Verweilen und Betrachtens herausforderte.

Kunstobjekt Düsseldorf-Oberkassel

Beim Betrachten des Exponats, das dem Begriff alle Ehre macht (lat: exponere = öffentlich darstellen) musste ich unweigerlich an die 16jährige Schwedin Greta Thunberg denken, die jeden Freitag in Stockholm gegen den Klimawandel demonstriert und eine regelrechte Bewegung von weltweiten Freitagsdemonstrationen der Empörung losgetreten hat. Denn meiner Interpretation zufolge hat das neueste Quirin 42-Kunstwerk etwas mit diesem Thema zu tun.

Mir scheint, dass unserem blauen Planeten hier die Menschheitsbedrohung in Form eines gigantischen Plastikmüllmonsters gegenübersteht, das unsere Existenz mehr und mehr aus der Balance wirft. Wir selbst sind hier als Schreckgespenst der Erde gespiegelt, das ihren drohenden Untergang verkörpert, beschleunigt durch unser unverantwortliches Umweltverhalten, das sich gegen die eigene Natur richtet.

Angesichts dieses fast zu friedlich in der Wintersonne schaukelnden Kunstwerks wünsche ich mir, dass die Greta Thunbergs dieser Welt mehr und mehr werden, sich ebenso mutig der Dummheit und Ignoranz dem wachstumsberauschten Machtwahnsinn entgegenstellen und den Kampf gewinnen, diese wunderbare Welt doch noch, doch wieder ins Gleichgewicht zu bringen mit allem Respekt vor Natur und Menschen.

Und augenblicklich habe ich „What a wonderful world“ im Ohr, den Klassiker der Liebe zu Mutter Erde, hier in der Interpretation von Eva Cassidy, deren Stimme in ihrer Reinheit die Demut verkörpert, die wir unserer aller Heimat schuldig sind.

https://www.youtube.com/watch?v=pPAGH0AT-os

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