Liebesgedicht zum Tag der Poesie

Sinnestaumel 

Ich will dir ein Bad

bereiten von Eselsmilch,

deine Brust waschen

mit syrischen Schwämmen.

Ich hülle deinen Leib

in reinstes Leinen, 

Chinajade

soll das Haar dir kämmen.

Ich bau dir ein Zimmer 

aus Zucker und Zimt,

der Weg dorthin

ein Spalier aus Rosenblüten.

Ein Kompass aus Rauch

und züngelnden Flammen

von Sandelhölzern

– frisch verglühten –

führt dich zum Altar 

geheimer Versprechen.

Ein Kelch voll

roter schwerer Trauben

befüllt deine Sinne

mit tanninem Rausch.

Das Verlangen wird

dein einziger Glaube.

Ich bette dich

zum innigen Gebet 

der Geschlechter

auf Cashmeredecken.

Ein samtenes Kissen

stützt dein Haupt,

eines aus Fell

wärmt dein Becken.

Mit Kamelienölen,

salbe ich deine Haut,

umweht

von Tüchern aus Seide.

Wenn ich mit Puder 

deinen Leib bestäube,

ihn schmücke

mit Blattgoldgeschmeide,

öffnet sich dein Mund

wie eine Knospe,

Atemnektar

tropft auf deine Lippen.

Dein Blick, Dein Herz 

ein Schwarm von Vögeln

und dein tosender Schoß

sturmgeflutete Klippe.

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