Die Gentlemen des Folk: Son of Town Hall

Meine aktuellen Lieblinge heißen Son of Town Hall. Die spontane Empathie für dieses außergewöhnliche Folk-Duo scheint nicht nur mich nachhaltig befallen zu haben, sondern im Schneeeballsystem Kreise zu ziehen. Wo immer der Londoner Ben Parker und sein kongenialer US-Partner David Berkeley aus Santa Fe auftreten, fliegen den beiden die Herzen zu und sie verwandeln jede Spielstätten in einen Ort kollektiver Sanges- und Schunkelfreude.

Gerade mal sechs Songs haben Son of Town Hall bisher offiziell veröffentlicht (eine EP und eine Single), aber ihre Konzerte muten an, als verfüge das originelle Folk-Duo über einen unerschöpflichen Backkatalog. Seit Monaten auf Tour, reißen sie überall das Publikum mit, weil Parker und Berkeley mit Begeisterung bei der Sache und zudem geborene Performer sind, die sich als wahre Menschenfischer erweisen. Per Mundpropaganda spricht sich so die überaus harmonische musikalische Qualität des Duos von Gig zu Gig rum und lässt ihre Fangemeinde stetig wachsen.

Die beiden sympathischen, etwas schrulligen Folk-Entertainer haben übrigens auf seltsam zufällige Weise zueinander gefunden. Und zwar während einer Schiffsreise auf dem Atlantik an Bord der namensgebenden „Son of Town Hall“. Ob das wahr oder Seemannsgarn ist, weiß außer den beiden niemand genau. Schließlich verfügen die Herren im viktorianischen Gentlemen-Style neben viel Folkfeeling und Charme auch über reichlich Humor und Selbstironie.

Ein Beleg dafür ist die launige Selbstcharakterisierung der Band auf ihrem Facebook Account. „Imagine if Simon and Garfunkel were lost at sea, salt in their beards, wind at their backs, and whiskey in their bottles. What songs would they sing whilst stomping like melodious madmen on the boards of their boat?“

Diese musikalische Verortung ist bei allem Augenzwinkern durchaus zutreffend. Der zweistimmige Harmoniegesang von Parker und Berkeley erinnert mitunter tatsächlich an das legendäre amerikanische Folk-Rock-Duo. Eine weitere Reverenzgröße sind aus meiner Sicht die wunderbaren Milk Carton Kids, die in ähnlichen Folkgewässern segeln, auch wenn Parker und Berkeley extrovertierter sind als die kalifornischen Kollegen. Die großartigen The Pines mit ihren sonnendurchtränkten Folksongs fallen mir als Artverwandtschaft zu Son of Town Hall ebenfalls ein.

Die Songs von Parker und Berkeley bestechen durch ihre eingängigen Melodien, die durchs Ohr direkt ins Herz gehen. Und durch ihr Storytelling, in dem sie dem Glück wie dem Scheitern, Liebe und Freundschaft und der Trinkfreudigkeit huldigen, mal melancholisch, mal ansteckend heiter. Kein Wunder, dass man sich als Zuhörer unweigerlich motiviert fühlt, in den harmonischen Gesang einzustimmen. Schließlich werden hier die grundlegenden Themen des Lebens verhandelt.

Ich kann es kaum erwarten, wenn das Debütalbum dieser Folk-Gentlemen voraussichtlich im November in Deutschland veröffentlicht wird. Ganz sicher werde ich zu den ersten Rezensenten zählen, die dieses freudige Ereignis feiern. Ich hoffe sehr, dass Ben und David dann auch gleich ein paar Konzerte in Deutschland spielen (warum nicht wie im letzten Herbst in Düsseldorf auch wieder auf einer Schiffstour), um die nächste große Welle an Folkliebhaber-Sympathie auszulösen, auf der die beiden zum verdienten großen Erfolg segeln können, den ich vorhersage.

https://www.sonoftownhall.com


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